Oliver Suchy ist der Leiter der Abteilung „Digitale Arbeitswelten und Arbeitsweltberichterstattung“ beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Hier beantwortet er drei Fragen zu KI aus gewerkschaftlicher Sicht.

Welche Rahmenbedingungen sind aus Sicht der Beschäftigten nötig, damit KI in kleinen und mittleren Unternehmen ein Erfolg wird?

„Die drei wesentlichen Komponenten für den erfolgreichen Einsatz von KI für Gute Arbeit im Betrieb sind Transparenz, Kompetenz und Mitbestimmung. Es muss von Anfang klar vereinbart sein, was ein KI-System kann, welche Ziele mit dem Einsatz verfolgt werden – und in welcher Form die Mitarbeiter:innen davon profitieren können. Dies muss offen, frühzeitig und ganzheitlich vereinbart und dokumentiert werden. Dazu gehört die Frage der betrieblichen Folgenabschätzung. Der DGB hat dazu das Modell „Gute Arbeit by design“ entwickelt. Dies bedeutet, dass vor der KI-Einführung die Kritikalität bewertet werden muss: also das Ausmaß der Auswirkungen auf Beschäftigtenrechte sowie die Veränderungen von Arbeitsbedingungen, Belastungsprofilen, Qualifizierungsbedarfen und Beschäftigungswirkungen.“

Auf welche Widerstände stößt KI am häufigsten bei den Beschäftigten? Wie kann man ihnen ggf. Ängste über KI nehmen?

„Vorbehalte betreffen häufig Fragen der technologischen Überwachung, algorithmischen Steuerung und analytischen Auswertung bis zur „predictive performance“ von Beschäftigten – also vor allem KI im HR-Bereich. Deshalb braucht es einen transparenten Prozess und Vereinbarungen für die Datennutzung als auch für den Umgang mit Empfehlungen von algorithmischen Entscheidungssystemen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten oder der Entwertung von Arbeit im Kontext personalisierter Assistenzsysteme – letztlich also die Frage der Handlungsautonomie. Dazu kommen die erhöhte Komplexität und Dynamik. Diesen Befürchtungen ist durch die frühzeitige Mitsprache und kontinuierliche Einbeziehung von Beschäftigen und deren betrieblichen Interessenvertretungen zu begegnen.“

Was sind die größten Chancen für die Mitarbeiter:innen durch Künstliche Intelligenz?

„Die Chancen für Beschäftigte hängen entscheidend ab von den Möglichkeiten zur Mitgestaltung bei Einführungs- und Umsetzungsprozessen für die Nutzung von KI-Systemen. Schließlich ist KI eine Technologie, bei der es immer auf den konkreten Anwendungsfall ankommt. Deren Wirkung resultiert aus den definierten Zielen sowie der Ausgestaltung von Rollenzuschreibungen im Kontext der Interaktion mit KI-Anwendungen. Dabei kann es zu Erleichterungen und Entlastungen also auch zu einem ‚Enhancement‘, also einer Erweiterung der Spielräume von Beschäftigten, kommen. Es kann allerdings leicht ins Gegenteil umschlagen und zu – möglicherweise auch nicht intendierten – negativen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen führen, wie zum Beispiel erhöhte Arbeitsverdichtung und Arbeitsstress.“