Was macht die KI-Werkstatt?

Die KI-Werkstatt bringt die regionalen Zukunftszentren, die KMU zur Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz beraten, zusammen – peer-to-peer. Sie ist eine Plattform für den Austausch und die Optimierung der Beratungsarbeit der Zukunftszentren vor Ort. Außerdem liefert die KI-Werkstatt wichtige Impulse für das KIWW und die Arbeit am Wissenspool. Quartalsweise, digitale Treffen, wechselnde Themen und Schwerpunkte rund um das Thema Künstliche Intelligenz in kleinen und mittleren Unternehmen bilden den Rahmen. Themenschwerpunkt bei der 4. KI-Werkstatt im Juli 2022 war die Beteiligung und Mitbestimmung von Beschäftigten bei der Einführung von KI-Systemen.

Herausforderungen und Fragen für die Mitbestimmung

Zur Einführung in das Thema erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die Aspekte und Fragestellungen, die für die betriebliche Mitbestimmung im Zusammenhang mit KI relevant sind. Im ersten Beitrag wurde als übergeordnetes Ziel der Mitbestimmung die menschengerechte Gestaltung von Arbeit im Sinne von „Guter Arbeit“ definiert, wie sie u.a. in den gewerkschaftlichen Impulspapieren formuliert ist. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass durch das frühzeitige Einbeziehen der Interessenvertretungen die Akzeptanz von und das Vertrauen in KI-Systeme entscheidend gestärkt werden kann. Betriebsräten steht hierfür ein umfassendes Repertoire an rechtlichen Grundlagen und Beteiligungsmöglichkeiten zur Verfügung. Auch in Betrieben ohne Betriebsrat gibt es verschiedene Ansätze, wie Beschäftigte sich beteiligen können. Für Betriebsräte und Beschäftigte in KMU sind der Praxisbezug unterstützender Angebote und ein niedrigschwelliger Einstieg besonders wichtig. Wie ein solches Angebot konkret aussehen kann, zeigte das vorgestellte Beispiel eines Projektes vom ver.di Bildungswerk Hessen, das mit kurzen, interaktiven Qualifizierungsbausteinen Beispiele aus dem betrieblichen Alltag aufgreift und diskutiert. 

Im Plenum wurde diskutiert, welche Erkenntnisse sich aus der bisherigen Arbeit der Zukunftszentren für die Zielgruppe der Betriebsräte und Beschäftigten ziehen lassen: 

  • Eine Herausforderung ist, dass die Geschäftsführung häufig erst dann auf Betriebsräte zugeht, wenn bereits grundlegende Entscheidungen zum geplanten KI-Einsatz getroffen wurden. 
  • Um die Zielgruppe der Betriebsräte zu erreichen, müssen verschiedene Hürden genommen werden. Zum einen kommt der Kontakt zu den Unternehmen häufig über die Geschäftsleitungen zustande. Zum anderen wird der zeitliche Aufwand für Beratung und Begleitung gerade in kleinen Betrieben oftmals unterschätzt. 
  • Um einen Zugang zum Thema KI bei den Beschäftigten zu finden, ist eine gute Erstkommunikation entscheidend. Bevor es ins Detail gehen kann, empfiehlt sich zunächst eine Problemanalyse und Sensibilisierung. Eine Rolle spielen z.B. Sorgen vor Überwachung und Arbeitsplatzverlust, die zunächst adressiert werden sollten. 

Individuelle Unterstützung in der digitalen Transformation

Im zweiten Teil der KI-Werkstatt ging es darum, wie Angebote für betriebliche Interessenvertretungen und Beschäftigte konkret gestaltet werden können. Als Praxisbeispiel wurden die vom Zukunftszentrum Berlin entwickelten und erprobten Angebote vorgestellt. Zu diesen Angeboten gehört eine individuell auf die Bedarfe der Unternehmen zugeschnittene Online-Workshopreihe, die ein vielfältiges Spektrum an Digitalisierungsthemen abdeckt. Ergänzend bietet das Zukunftszentrum digitale Tools an, die im Selbststudium und zum Einstieg von Betriebsräten ausprobiert werden können, um sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz vertraut zu machen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass die Begleitung von Betriebsräten bei Digitalisierungsprozessen sehr intensiv sein kann, dass individuell zugeschnittene Angebote aber auch sehr viel bewirken können. 

In der anschließenden Diskussion haben sich die Teilnehmenden Gedanken gemacht, welche Angebote erfolgversprechend sein können. 

  • Angebote für Betriebsräte sollten sich eher auf die Vermittlung der Grundlagen und von digitalen Basiskompetenzen konzentrieren als auf KI-Spezialwissen. Die Themen Kommunikation, Change-Management und Qualifizierung stehen hier im Vordergrund. 
  • Die Angebote müssen spezifisch zu den Anforderungen der Zielgruppe passen und Beratende mit Wissen z.B. aus dem Betriebsverfassungsgesetz ausgestattet werden. 
  • Sinnvoll sind auch Angebote, die nicht nur Betriebsräte ansprechen, sondern auch die Geschäftsleitungen und andere Beschäftigte mit einbinden. 
  • Mit Blick auf die Freistellung haben sich Workshops bis 2,5 Stunden als sinnvoll erwiesen. Auch E-Learning-Tools werden gerne genutzt. 
  • Betriebe ohne Betriebsrat können sensibilisiert werden, einen Betriebsrat zu gründen. Die Zukunftszentren können mit ihren Angeboten auch Multiplikatoren stärken, die als Sprachrohr zwischen Geschäftsleitung und Beschäftigten fungieren.